Dem Hören und Sehen, dem Denken und Fühlen Flügel verleihen. Die gewaltigen Räume innerer Bilder vermessen.
Aus der Wunderkammer des Lebens erzählen. Lakonisch, heiter, sprunghaft, tieflotend, musikalisch. Das konnte niemand wie er.

Wir verneigen uns vor

 

Alexander Kluge

Alexander Kluge

14.02.1932 - 25.03.2026


Preisträger

Mortier Award - Lifetime Achievement

2021

Mortier Awards

Eine europäische Kulturinitiative






Der Mortier Award - Lifetime Achievement und der Förderpreis Mortier Next Generation Award wurden ins Leben gerufen, um das Vermächtnis des 2014 verstorbenen Intendanten und Theater-Visionärs Gerard Mortier für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Sie werden an Persönlichkeiten verliehen, die sich im Geiste Mortiers um neue Wege künstlerischen Ausdrucks bemühen.

 «Theater machen bedeutet, die Routine des Alltäglichen zu durchbrechen, die Akzeptanz wirtschaftlicher, politischer und militärischer Gewalt als Normalität infrage zu stellen, die Gemeinschaft zu sensibilisieren für Fragen des menschlichen Daseins, die sich nicht durch Gesetze regeln lassen, und zu bekräftigen, dass die Welt besser sein kann, als sie ist. Theater machen ist also eine Sendung, ein priesterliches Amt beinahe, ohne darum eine Offenbarungsreligion zu sein. Das Theater ist eine Religion des Menschlichen»
Gerard Mortier
Dramaturgie einer Leidenschaft

Gerard Mortier

Gerard Mortier stand über mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze traditionsreicher Opernhäuser (La Monnaie, Brüssel; Opéra national de Paris; Teatro Real, Madrid) und Festivals (Salzburger Festspiele; Ruhrtriennale). Am 25. November 1943 in Gent geboren, rückte er schon als junger Dramaturg das Musiktheater nicht nur ins Zentrum künstlerischer Auseinandersetzungen, sondern auch ins Zentrum gesellschaftspolitischer Diskurse. Er programmierte und wirkte in der Überzeugung, dass Oper die Aufgabe habe, gesellschaftlich relevante Fragestellungen aufzugreifen und künstlerisch zu thematisieren – und verortete die von ihm verantworteten Projekte und Produktionen deshalb immer auch auch im jeweiligen gesellschaftlichen und topografischen Umfeld: ob in Brüssel, in Salzburg, bei der Ruhrtriennale, in Paris oder schließlich in Madrid. 

"Par la Force du Chant"


Gerard Mortier war Universalist. Nicht in einem technokratischen Sinne, sondern als Humanist, der an die grundlegenden Ideale der Aufklärung glaubte. Es ist wichtig, dies in einer Zeit zu betonen, in der sich geistige, soziale und kulturelle Gräben vertiefen und politische Polarisierungen zunehmen. In einer Zeit, die dazu neigt, den notwendigen Kampf um globale Gerechtigkeit für alle mit der fragmentierenden, exklusiven Dynamik einer Identitätspolitik zu verwechseln, die das große Ganze aus den Augen zu verlieren droht. Liberté, Égalité, Fraternité – die mit der Französischen Revolution verbundenen ethischen Grundsätze, die heute die Fassaden jedes öffentlichen Gebäudes in Frankreich zieren, waren für Mortier keine glorreichen Slogans der Vergangenheit. Für ihn waren sie nach wie vor unerreichte Ziele einer offenen Mission der Menschlichkeit, Leitlinien und treibende Kraft seines Schaffens in der darstellenden Kunst.
                                                                         

Zweifellos bildeten Musik und Theater die Eckpfeiler von Mortiers Leidenschaft und Berufsleben. Dennoch hat er sich nie einem l'art pour l'art-Eskapismus hingegeben. Musik, Theater, die Künste im Allgemeinen verstand er als Medien zur Erforschung der conditio humana. Und das bedeutete: die Vielfalt menschlicher Erfahrung auszuloten, sich auf komplexe Zusammenhänge einzulassen,  Widersprüche und Ambiguitäten zu akzeptieren – zwischen männlich und weiblich, queer und hetero, schwarz und weiß, zwischen Ost und West, Nord und Süd. Mortiers Denken und sein künstlerischer Kanon wurzelten in der europäischen Tradition – in archetypischen Erzählungen, den antiken griechischen und römischen Mythen; in archetypischen Figuren, Faust oder Don Juan; in Monteverdi, Mozart und der klassischen Moderne. Der Radius und die Reichweite seiner Neugierde gingen jedoch weit über die „alte Welt“ hinaus. Seine Heimat waren Europa und die Welt, aber er kehrte immer wieder nach Flandern und in seine Geburtsstadt Gent zurück. Hier fand er die Inspiration für neue Projekte, hierher, in sein geliebtes Gent, holte er unzählige künstlerische Partner. Er dachte global und fühlte lokal – man könnte auch sagen: Für ihn lag der Nabel der Welt nicht in Delphi, Rom oder Jerusalem, sondern in der stolzen Bürgerstadt Gent.

Die Initiative / Hauptpreis

 

Als Heinz Weyringer, langjähriger Leiter des internationalen „Ring Award“-Wettbewerbs in Graz, und Albrecht Thiemann, langjähriger Chefredakteur des Berliner Magazins „Opernwelt“, vor zehn Jahren die Mortier Awards ins Leben riefen, geschah dies in der Absicht, jene universal-humanistische Mission zu vergegenwärtigen und zukunftsoffen zu entwickeln, die so viele Menschen, die Gerard Mortier begegnen durften, beeindruckt und bereichert hat. Mit der Zuversicht des Sisyphos – einer Figur, die Mortier überaus schätzte: weil sie nie aufgibt, den Stein bis auf den Gipfel des Berges zu rollen, sprich: das vermeintlich Unmögliche zu schaffen. Der symbolische Hauptpreis (Mortier Award - Lifetime Archivement) wurde bislang vier Mal vergeben.

Förderpreis

 

Vor sechs Jahren konnten die Mortier Awards auf Vorschlag und mit Hilfe von Serge Dorny einen Förderpreis für den künstlerischen Nachwuchs, den Mortier Next Generation Award, etablieren. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und mit einem speziellen Arbeitsstipendium (Kurz-Fellowship) des Wissenschaftskollegs zu Berlin verknüpft. Zwischen 2019 und 2025 wurde der Förderpreis viermal vergeben.

Vorträge / Debatten / Workshops

 

Für die kommenden Jahre plant der Verein Mortier Awards ein weiteres Projekt: öffentliche Vorträge, Dialoge, Debatten und Workshops zu aktuellen kulturpolitischen Themen. Wir denken dabei an eine Gesprächs- und Diskurskultur, die kontroverse Positionen nicht nur zulässt, sondern ernst nimmt und argumentativ abwägt. An eine Streitkultur, die Erkenntnisse jenseits allgegenwärtiger Labels und Frames, Etiketten oder Vor-Urteile ermöglicht. Unter dem Label der Mortier Awards sollen in Kooperation mit Partnern aus  Kultur, Politik und Wirtschaft Veranstaltungen / Begegnungen in Belgien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien organisiert werden. Die Bedeutung eines (von Gerard Mortier immer wieder geforderten und betonten) offenen Kulturbegriffs angesichts partikularistischer und identitätspolitischer Strömungen im Kulturbetrieb könnte dabei eine Leitfrage sein. Erste Gespräche mit der Oper Stuttgart und der Ruhrtriennale haben stattgefunden. Die Oper Madrid hat Interesse bekundet. 

Über uns

Alles hat seine Zeit - und seine Geschichte. Unsere ist anregend, wir haben eine Menge zu erzählen. Wer sind wir? Warum tun wir, was wir tun? Was zeichnet uns besonders aus?

Mortier Awards

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